Gründung einer European Workstation (EWS) für UNESCO Chair aus Beijing University in Vorbereitung

Idar-Oberstein wurde dabei als besonders profilierter Standort hervorgehoben.

Am 15. Juni 2026 fand eine Online-Konferenz mit insgesamt 16 Teilnehmenden statt. Beteiligt waren der UNESCO-Lehrstuhl für Kreativität und nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum, das Institut für Kulturindustrien der Peking University, der Gesellschaft für immaterielles Kulturerbe und angewandte Gestaltung (GIKG) sowie die Taiji Plattform International (TPI) . Im Mittelpunkt des Austauschs stand der Aufbau der ersten International Workstation des Lehrstuhls in Europa.

Globales Netzwerk des Lehrstuhls und Hintergrund der Deutschland-Kooperation

Im Namen der Peking University blickte die Postdoktorandin Pang Jie auf die Ergebnisse der Sitzung vom 26. März zurück und stellte den internationalen Kontext des Projekts vor. Sie erlauterte die globale Mission des UNESCO-Lehrstuhls “Kreativitat und nachhaltige Entwicklung im landlichen Raum” sowie den bisherigen Aufbau internationaler Arbeitsstationen in Thailand, Vietnam und Indonesien.

Pang Jie betonte die besondere Bedeutung der Zusammenarbeit mit Deutschland als europaischem Knotenpunkt. Sie dankte GIKG und der Taiji International Platform fur ihre Einfuhrungen in die kulturwirtschaftlichen Besonderheiten der Rheinregion und des Hunsrücks sowie fur ihre koordinierende Unterstützung. Ziel des aktuellen Treffens sei es, die Austausch zwischen China und Deutschland weiter zu vertiefen und die Voraussetzungen für die Errichtung einer International Workstation (IWS) in Europa zu schaffen.

Delegationsreise nach Deutschland für November geplant

Prof. Dr. Yong (Hardy) Xiang, Dekan des Instituts für Kulturindustrien der Peking University und Leiter des UNESCO-Chairs, dankte GIKG für die Einladung und stellte einen ersten Plan für eine Deutschlandreise im November vor. Vorgesehen ist eine Delegation von 10 bis 15 Personen, darunter Professoren , Postdoktoranden sowie Doktoranden der Peking-Universität der sowie Teilnehmende eines Fortbildungsprogramms für Unternehmer im Kultur- und Tourismussektor. Geplant sind Aufenthalte in Köln und Idar-Oberstein, wo Workshops oder Seminare als erste gemeinsame Aktivitäten stattfinden sollen. Nach Auffassung von Prof. Xiang sollte die Zusammenarbeit bewusst interdisziplinär angelegt sein und Fachrichtungen wie Wirtschaft, Kunst, Design, Technologie und Landwirtschaft miteinander verbinden, um die kreative nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume wirksam zu unterstützen.

Neben Köln wurde Idar-Oberstein als zentrale Kooperationsorte vorgesehen

Teilnehmende aus Deutschland stellten die regionalen Potenziale fur eine spätere Zusammenarbeit ausführlich vor. Neben der Partnerstadt von Peking, Köln, wurde Idar-Oberstein dabei als besonders profilierter Standort hervorgehoben. Die Stadt verfügt uber eine 500-jährige Geschichte der Edelsteinbearbeitung und des Edelsteinhandels und gilt als europaisches Zentrum dieser Branche. Zugleich bestehen kulturhistorische Bezuge zur Seidenstrasse durch die Edelsteinforschung von Hildegard von Bingen. Die Region bietet mit dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald, dem Umwelt Campus Birkenfeld bei Trier sowie zahlreichen familiengefuhrten Betrieben ein breites Spektrum an wirtschaftlichen, akademischen und kulturellen Ressourcen. Besonderes Interesse galt auch dem Industriedenkmal Jakob Bengel, das mit seinem Design-Erbe und internationalen Werkstattformaten als attraktiver Anknüpfungspunkt für Kooperationen bewertet wurde.

Kulturtourismus, Industrieerbe und digitale Entwicklung

Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmenden, wie sich regionale Besonderheiten Deutschlands mit chinesischen Kulturindustrie zu neuen Kooperationsmodellen verbinden lassen. Im Bereich des erlebnisorientierten Tourismus wurden Ideen entwickelt, die an die Edelsteintradition von Idar-Oberstein anknupfen: etwa Programme zum Edelsteinsuche, Besuche von Industriedenkmalern und Design-Workshops. Parallel dazu wurde die Bedeutung von Digitalisierung und KI im Tourismus hervorgehoben. Die Investitionen des Landes Rheinland-Pfalz in tourismusbezogene digitale Innovationen konnten dabei helfen, neue Angebote an der Schnittstelle von Agrartourismus, Weintourismus, Wandern und Gesundheitsformaten zu entwickeln.

Dr. med. Oliver Weichold ( RWE Power AG) stellte ein gemeinsam entwickeltes Forschungsprojekt der RWE Power AG mit der Deutschen Sporthochschule Köln vor. Ziel der gemeinsamen Studie ist  die Stressprävention am Arbeitsplatz. Die im Juli startende Studie untersucht mit 90 Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Wirkung von Taijiquan, Qigong und progressiver Muskelentspannung auf Gesundheit und Wohlbefinden. Langfristig sollen daraus neue Ansätze für Gesundheitsmanagement und gesundheitsorientierten Tourismus entwickelt werden.

Über den UNESCO-Lehrstuhl und das Institut fur Kulturindustrien der Peking-Universitat

Das Institut fur Kulturindustrien der Peking-Universitat wurde 1999 gegrundet, zunächst als Forschungsinstitut und seit 2006 in seiner heutigen Form. Es zahlt zu den wichtigen wissenschaftlichen Einrichtungen Chinas im Bereich Kulturwirtschaft und Kulturpolitik.

Seit 2024 leitet Prof. Yong (Hardy) Xiang den an der School of Art der Peking-Universitat angesiedelten UNESCO-Lehrstuhl fur Kreativitat und nachhaltige Entwicklung im landlichen Raum. Dieser Lehrstuhl ist derzeit weltweit der einzige UNESCO-Lehrstuhl mit diesem thematischen Schwerpunkt und zugleich der erste seiner Art in China. Ziel ist es, durch kulturelle Kreativitat, kunstlerische Praxis, Ausbildung und internationale Partnerschaften ein globales Netzwerk fur die nachhaltige Entwicklung landlicher Raume aufzubauen.

Der Besuch in Deutschland und die Vorbereitung eines Arbeitsstandorts in Europa markieren damit einen wichtigen Schritt in der weiteren Internationalisierung des Lehrstuhls und in der Vertiefung der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit im Bereich Kultur, Kreativwirtschaft und nachhaltige Regionalentwicklung.

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