JAKOB ENGEL Industriedenkemal bei China Nationale Kunstförderung bekanntgemacht.

Olympia, Jade  und Idar-Oberstein: 

Während in Deutschland erneut über eine Bewerbung für Olympische Sommerspiele diskutiert wird und sich Nachbarregionen ihre Ambitionen für die Spiele 2036, 2040 oder 2044 vorantreiben, lohnt sich ein Blick zurück. Denn Idar-Oberstein war bereits Teil einer olympischen Erfolgsgeschichte – wenn auch auf eine ganz andere Art.

Die Gold- und Jade-Medaillen der Olympischen Spiele 2008 in Peking gelten bis heute als Meilenstein im modernen Medaillendesign. Bei den Spielen wurden insgesamt 958 Medaillen verliehen. An ihrer Entwicklung beteiligt war der chinesische Meister Zhang Tiecheng, heute Vorsitzender des Jade-Fachausschusses der China Arts and Crafts Association und einer der bedeutendsten Vertreter der chinesischen Jadekunst. 

Im Herbst 2027 wird Zhang Tiecheng gemeinsam mit weiteren führenden chinesischen Meistern aus der China Arts and Crafts Association nach Idar-Oberstein kommen – erstmals seit über 40 Jahren besucht wieder eine Delegation dieser Größenordnung aus China die Edelsteinstadt.

‚Die Kombination von Gold und Jade symbolisiert in der chinesischen Kultur Würde, Tugend und höchste Wertschätzung — daher haben wir die Ausstellung den Name Jadetugend gegeben’ erklärte Prof. Dr. Chen Xiaohua, Dekan von Chinese Academy of Lifestyle Design (BIFT),  die Delegation begleiten wird.

Internationale Meister im Jakob-Bengel-Industriemuseum

Das Jakob-Bengel-Industriemuseum wird eine Hauptlocation der kommenden Ausstellung. Der Antrag wurde bereits vor einigen Wochen bei der China National Kunstfond eingereicht. Durch das Antragsschreiben wurde der Begriff ‚Jakob-Bengel‘ und ‚Idar-Oberstein‘ in China nochmal bekannt gemacht.

Gezeigt werden hochwertige Jadeobjekte, Edelsteinarbeiten und Skulpturen, die jahrhundertealte Handwerkstechniken mit modernem Design verbinden. Gleichzeitig soll die Ausstellung den Dialog zwischen chinesischer Jadekultur und der Edelstein- und Schmucktradition Idar-Obersteins fördern.

Neben den Ausstellungsstücken sind Fachgespräche, Begegnungen mit regionalen Edelsteinschleifern, Goldschmieden, Designerinnen und Designern sowie Vertretern der Kreativwirtschaft geplant. Ziel ist es, voneinander zu lernen und neue Kooperationen zwischen Deutschland und China anzustoßen.

Eine Verbindung, die älter ist als viele denken

Die Beziehungen zwischen Idar-Oberstein und der chinesischen Handwerkkunst reichen weit zurück. Während eines Besuchs im Atelier von Meister Zhang im Frühjahr 2026 zeigte sich, dass für zahlreiche hochwertige Arbeiten Achate verwendet werden, die ursprünglich aus Deutschland stammen.

Mit einem Lächeln bemerkte der Meister: “Die Achate, die ich verwendet hatte,  stammen aus Deutschland. Aber ihr habt Achate, die viel Farbeintensiver sind.“

Diese Aussage verdeutlicht, welchen Ruf die Edelsteine aus unserer Region bis heute in internationalen Fachkreisen genießen. Viele chinesische Kunsthandwerker kennen Idar-Oberstein als Herkunftsort hochwertiger Achate und anderer Edelsteine – doch über die Geschichte, die Menschen und die heutige Innovationskraft der Region wissen sie bislang nur wenig.

Mehr als eine Ausstellung

Das Projekt versteht sich nicht als einmaliges Kulturereignis. Vielmehr soll eine langfristige Plattform entstehen, auf der Kunst, Design, Handwerk und Wirtschaft zusammenarbeiten.

Bereits heute interessieren sich etablierte chinesische Designer und Designerinnen für eine enge Zusammenarbeit mit der Plattform GIKG. Die Verbindung aus regionaler Kompetenz und internationalem Design eröffnet neue Perspektiven für die Kreativwirtschaft.

Gleichzeitig wurde Idar-Oberstein bereits zu weiteren Veranstaltungen nach China eingeladen. Mit Unterstützung der chinesischen Taiji-Plattform entstehen neue Möglichkeiten für gemeinsame Projekte, Designerprogramme und den internationalen Wissensaustausch.

Auch Köln zeigt Interesse

Die Idee findet inzwischen auch außerhalb der Region Aufmerksamkeit. Die Stadt Köln wurde auf das Projekt aufmerksam und unterstützt erste Planungen für Ausstellungen mit historischer Schmuck, historischem Bild- und Filmmaterial aus der Geschichte, gemeinsam mit mitwirkenden internationalen Designer und Designerinnen aus heutiger Zeit.

“Vor 100 Jahren sorgte Art Déco weltweit für Aufsehen. Hundert Jahre später lohnt es sich, diese Idee neu zu denken”, sagt Kersten Godenschwege, Vertreter der GIKG. Der Verein GIKG (Gesellschaft für immaterielles Kulturerbe und angewandte Gestaltung ) initiiert und koordiniert das Projekt, um internationale Kultur-, Design- und Wirtschaftsnetzwerke mit den Stärken der Edelsteinregion Idar-Oberstein zu verbinden.

Die Zukunft liegt im Austausch

China verfügt über eine jahrhundertealte Tradition der Jadekunst. Gleichzeitig wächst dort das Interesse an farbigen Edelsteinen, modernem Schmuckdesign und europäischer Gestaltung. Genau hier kann Idar-Oberstein seine besondere Stärke einbringen.

Die Ausstellung 2027 soll deshalb nicht nur außergewöhnliche Kunst zeigen, sondern neue wirtschaftliche, kulturelle und gestalterische Verbindungen schaffen.

Oder anders gesagt: Edelsteine verbinden seit Jahrhunderten Kulturen. Sie können auch heute wieder Brücken bauen – zwischen Idar-Oberstein und einem der größten Kreativ- und Designmärkte der Welt.

China hat zwar erst 15 Jahre Erfahrung im Bereich der Farbedelsteine, während Idar-Oberstein auf eine 500-jährige Tradition zurückblicken kann, doch China erweist sich als der wachsende Markt für die Zukunft. Durch den Wissensaustausch werden Sammler und Konsumenten zunehmend in der Lage sein, Farben und Edelsteine mit geschultem Auge zu betrachten, und das wirkt positiv auf den Markt aus. – sagt Yang Jie, Gründer der Taiji Platform international.’ Wir freuen uns , konkrete Schritte mit Akteure aus dem Region unternehmen zu können’.

Das erklärte Ziel des Projekts ist klar: Die internationale Aufmerksamkeit soll nicht Selbstzweck sein, sondern den Unternehmen, Designerinnen und Designern, Handwerksbetrieben sowie der gesamten Region neue Chancen eröffnen. Denn Qualität, Innovation und Offenheit waren schon immer die Stärken Idar-Obersteins.

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