Deutsch-chinesische Zusammenarbeit setzt Glanzpunkt bei der Beijing Fashion Week

Der 751-D Park in Beijing wurde im Rahmen der China Fashion Week Herbst/Winter 2026 zur Bühne eines besonderen kulturellen Ereignisses, das traditionelles Handwerk und zeitgenössisches Design miteinander verbindet. Erstmals wurde originaler Schmuck aus der Sammlung des Jakob Bengel Industriedenkmals aus Idar-Oberstein auf dem Laufsteg der chinesischen Modewoche präsentiert – gemeinsam mit Kollektionen chinesischer und internationaler Designerinnen und Designer. Der Auftritt zählte zu den Höhepunkten der Veranstaltung.

Idar-Oberstein, seit über 500 Jahren eines der bedeutendsten Zentren der europäischen Edelstein- und Schmuckverarbeitung, genießt weltweit einen exzellenten Ruf für handwerkliche Präzision und eine gewachsene industrielle Infrastruktur. Die Präsentation des Bengel-Schmucks in Beijing unterstrich nicht nur diese traditionsreiche Geschichte, sondern zeigte auch, wie sich das Art Deco Design der 1920er im zeitgenössischen Kontext neu interpretieren lässt.

Parallel zur Modenschau fand am 21. März der „Zeitgeist – Deutsch-chinesische Thementag“ in der Bibliothek des 751-D Fashion Design Plaza statt. Im Mittelpunkt standen die Themen „Kulturelles Erbe und nachhaltige Lebensweise“ sowie „Neue Chancen der deutsch-chinesischen Kooperation“. Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur, Medien und Bildungswesen beider Länder kamen zusammen, um den Auftakt einer neuen Plattform für die Zusammenarbeit in der Kultur- und Kreativwirtschaft zu markieren.

Quelle:Rheinzeitung

Begleitend wurde die Ausstellung „Zeitgeist – 150 Years of Jewellery Artistry in Idar-Oberstein“ gezeigt, in der zwölf Originalstücke aus der Sammlung des Jakob Bengel Museums präsentiert wurden. Die Schau stieß sowohl in Fachkreisen als auch in der Modeszene auf großes Interesse.

Im Forum selbst standen Fragen des Kulturaustauschs, der kreativen Zusammenarbeit sowie des Schutzes geistigen Eigentums im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung im Fokus. Veranstaltet wurde der Thementag vom Organisationskomitee der China Fashion Week, der Gesellschaft für Immaterielles Kulturerbe und Angewandte Gestaltung (GIKG) sowie der Taiji Platform International (TPI), mit Unterstützung unter anderem des Beijing Institute of Fashion Technology, der China National Arts and Crafts Society, der Beijing Arts and Crafts Industry Association, der Jakob Bengel Stiftung sowie der deutschen Fachorganisationen DGemG und DSEF.

Mehrere Teilnehmende betonten die positiven Perspektiven der deutsch-chinesischen Zusammenarbeit. Jürgen Sewyzk, Vorstandsmitglied der FKTG e.V. und CEO von JS Consulting aus Köln, erklärte, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und China auf Kooperation und gemeinsamer Entwicklung beruhen. Insbesondere im Bereich der Medien und Kommunikation bestehe großes Potenzial. Die strukturierte Zusammenarbeit von GIKG und TPI bietet eine hochwertige Plattform, auf der kreative Ideen und Projekte kontinuierlich entstehen können. Künftig wolle man den Austausch zwischen Idar-Oberstein und China konkret unterstützen.

Ting Zhang, Projektmanagerin und Expertin für interkulturelle Kommunikation bei der Kölner Agentur eintausend90, wies darauf hin, dass beide Gesellschaften auf eine reiche Geschichte philosophischer, künstlerischer, wissenschaftlicher und handwerklicher Entwicklungen zurückblicken. Diese kulturellen Ressourcen seien eine zentrale Grundlage, um insbesondere die zukünftige Entwicklung ländlicher Regionen zu fördern.

Ein weiterer Programmpunkt war die digitale Zuschaltung von Expertinnen und Experten aus Idar-Oberstein und Köln, die zu Themen wie Edelsteinforschung, industriellem Erbe, Mode und Kunst, Markenrecht sowie neuen Geschäftsmodellen referierten und so den fachlichen Austausch vertieften.

Auch auf gestalterischer Ebene setzte die Veranstaltung Akzente: Die chinesische Designerin Jin Yong Xuan, Doktorandin an der Tsinghua-Universität, präsentierte mit ihrem Label Kimzy Design eine Kollektion, die sich bewusst mit der zeitgemäßen Anwendung immateriellen Kulturerbes auseinandersetzt. In ihrer Runway-Show kombinierte sie den traditionellen chinesischen Seidenstoff Xiang Yun Sha – einen mit rein pflanzlichen Farbstoffen gefärbten Stoff und ein geschütztes geografisches Herkunftsprodukt Chinas – mit Schmuckstücken von Jakob Bengel aus den 1920er-Jahren im Stil des Art Déco.

So entstand ein moderner Ausdruck von Individualität durch tragbare Mode. Gleichzeitig zeigte die Kollektion eindrucksvoll, dass der Art Déco Schmuck von Jakob Bengel eine zeitlose Qualität besitzt und auch nach über 100 Jahren in einem anderen kulturellen Kontext neue Relevanz entfalten kann.

„Wir hätten nicht erwartet, dass Bengel Schmuck, der ursprünglich ausschließlich für Frauen entworfen wurde, von einer chinesischen Designerin teilweise so selbstverständlich und innovativ auch als Männermode interpretiert wird“, ergänzte Herr Godenschwege von GIKG.

Durch diese Verbindung gelang es, die historischen Schmuckstücke neu zu inszenieren und ihnen eine zeitgemäße Ausdruckskraft zu verleihen. Gleichzeitig wurde die zeitlose Qualität des Art Déco Designs sichtbar, das über Epochen hinweg Bestand hat. Die Kollektion vereinte damit die funktionale Leichtigkeit und Nachhaltigkeit chinesischer Textiltradition mit der klaren Formensprache deutscher Industrieästhetik.

Die gelungenen Projekte sind nicht zuletzt den zahlreichen Mitwirkenden zu verdanken. Besonders hervorzuheben ist das Engagement der Studierenden des Beijing Institute of Fashion Technology (BIFT), die unter der Leitung von Prof. Dr. Chen Xiaohua, Dekan der Chinese Academy of Lifestyle Design ( von BIFT), an der Vorbereitung beteiligt waren. Ihre große Neugier und Einsatzbereitschaft zeigen, wie wirkungsvoll solche interaktiven Austauschformate sind.

Die Veranstaltung fand auch internationale mediale Beachtung, unter anderem durch Berichterstattung von China.org.cn und CGTN (China Media Group). Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung solcher Formate für den globalen kulturellen Austausch.

Armin Korpus, langjähriger Kommunalpolitiker und engagierter Vertreter der Region, betont die Bedeutung kultureller Initiativen für die Zukunftsfähigkeit von Idar-Oberstein. Die Gesellschaft für Immaterielles Kulturerbe und angewandtes Design (GIKG) treibt die Entwicklung aktiv voran und versteht Kulturerbe als lebendige Brücke zwischen Tradition und globalem Austausch.

Das Dialogforum knüpft an erfolgreiche Begegnungen des Vorjahres in Beijing Olympic Museum an und schafft die Grundlage für langfristige Kooperationen – von kreativen Projekten über Bildungsinitiativen bis hin zu neuen Präsentationsformaten.

Mit dem Debüt von Bengel-Schmuck auf der Beijing Fashion Week wird deutlich: Das kulturelle Engagement aus Idar-Oberstein erreicht eine neue internationale Bühne – und zeigt, wie gelebtes Kulturerbe Brücken zwischen Regionen, Disziplinen und Generationen schlagen kann.

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